Der Rekordweltmeister ist gestartet
und bot nur Schonkost. Wie schon vor vier Jahren, agierte Brasilien diszipliniert und taktisch gut aufgestellt, aber Offensiv sehr zurückhaltend. Gegen Nordkorea hatten sie zwar mehr Spielanteile, aber es bedurfte schon eines Torwartfehlers (schon wieder) um in Führung zu gehen.
Im anderen Spiel der Gruppe war Elfenbeinküste sehr engagiert und gegen Portugal über weite Strecken die bessere Mannschaft, aber vor dem Tor zu harmlos. Christiano Ronaldo setzte ein Ausrufezeichen mit einen Knaller an den Pfosten und mit einer Megaschwalbe die der Elfenbeinküste eine Gelbe Karte einbrachte. Ich hoffe, dass wir es noch in dieser WM erleben, dass diesem Schwalbenkönig mal endlich die verdiente Gelbe oder gar eine Gelb Rot Karte beschert wird. Die Optionen in dieser “Todesgruppe” sind noch offen. Elfenbeinküste muss vor dem Tor entschlossener agieren um gegen Brasilien zu punkten und Portugal muss einsehen, dass nur Ronaldo zu weng ist.
Ansonsten bleibt es dabei, dass wie vor vier Jahren nur Argentinien und Deutschland offensiv gespielt haben und das Tor suchen. Die anderen Spiele erstarren in Taktik und Vorsicht und es fehlt der Mut offensiv zu agieren. Eine Fülle von Torwartfehler stellt die Spiele auf den Kopf und treibt Tipper wie mich zur Verzweiflung. Vier Torwartfehler zerstörten den richtigen Tipp.
Angst essen Seele auf und die Vorsicht den Fussball
Weltmeister Italien und die Elftal sind jetzt auch in das Turnier gestartet und wieder waren die grossen Momente Mangelware. “Wir spielten wie Deutschland und Deutschland wie wir!”, sagte Mark van Bommel nach dem mühsamen 2:0 Sieg der Niederländer gegen Dänemark, bei dem Robben schmerzlich vermisst wurde. Seine Mannschaft taten sich lange schwer und bedurften der Unterstützung Dänemarks um in Führung zu gehen. Wir nehmen den Vergleich gerne an, solange sich Deutschland nicht wie unsere Nachbarn frühzeitig aus dem Turnier verabschiedet. Mit dem Sieg im Rücken wird die Niederlande aber im nächsten Spiel befreiter aufspielen können.
Italien bedurfte auch der Hilfe des Gegners, in dem Falle des Torhüters (schon wieder), der an einer Ecke vorbeisegelte um zu einem 1:1 zu kommen. Weder Paraguay noch Italien waren in der Lage eine klare spielerische Linie ins Spiel zu bekommen. Italien war zu pomadig, wie häufig zu Beginn eines grossen Turniers, steigerte sich in der zweiten Halbzeit ein wenig. Bei Paraguay und seinen limitierten spielerischen Mitteln fragt man sich, wie sie sich knapp hinter Brasilien und deutlich vor Argentinien qualifizieren konnten.
Auffällig in dem Fehlpassfestival war auch die grosszügige Kartenauslegung des Schiedsrichters. Wenn man die Attacke von Cahill und die von Caromanesie vergleicht, stellt sich die Frage, warum bekommt deine eine sofort Rot und der andere nicht mal Gelb, was in der Konsequenz Gelb-Rot bedeutet hätte? Auch wenn man die beiden gelben Karten gegen Özil und Cacau wegen Schwalbe, mit den spektakuläre Stürzen von Italien und Paraguay im Versuch Freistösse zu schinden vergleicht, muss die Frage gestattet sein: Mussten diese Kartenorgien (in fast jedem Spiel ein Platzverweis) in den ersten Spiele sein? Klar Gelbe Karte wegen Schwalbe sollte oder muss sein, aber es darf doch nicht dahin ausarten, dass Cacau sich umtreten lassen muss.
Auftaktsiege
Eindrucksvoll und souverän löste das deutsche Team das Auftaktspiel gegen Australien. Diese erwiesen sich nicht als das gefürchtete Bollwerk, sondern doch eher als biedere Fussballer. Eine Riesenchance zu Beginn liessen die Deutschen zu, dann übernahmen sie das Kommando und erspielten! sich Reihenweise Chancen. Podolski und Klose zeigten warum der Bundestrainer so lange an ihne festgehalten hatten. Den einzigen Vorwurf den man dem Team machen konnte, ist der die Chancen nicht gut genug genutzt zu haben. Aber auch Messi scheiterte mehrfach an dem guten nigerianischen Torwart.
Nach der roten Karte (etwas kleinlich) geriet das deutsche Schaulaufen gar nicht mehr in Gefahr und die Deutschen konnten es sich erlauben eine Spur zu lässig zu sein. Freitag gegen Serbien wird es sich beweisen ob sie auch gegen einen stärkeren Gegner so Kombinationssicher sind. Serbien ist angeschlagen und steht mit dem Rücken zur Wand. Andererseits: Sie müssen gewinnen und das spielt dem deutschen Offensivschwung in die Karten.
Ghana gewann 1:0 gegen Serbien und wirkte über das ganze Spiel wacher und schneller als der Gegner. Serbien fiel nicht viel ein und kam erst zum Ende zu einigen Möglichkeiten. Allerdings hätte Ghana auch am Ende erhöhen können. Mit einem Sieg gegen Australien könnte Ghana nach dem ersten Sieg einer afrikanischen Mannschaft bei dieser WM, auch die erste afrikanische Mannschaft sein die sich fürs Achtelfinale qualifiziert.
Im dritten Spiel des Tages langweilten Algerien und Slowenien die Zuschauer. Offensichtlich steht das C der Gruppe für Comedian oder Clown oder warum parodierte der algerische Torwart den Patzer von Green? Dies sollten sich die Teilnehmer diverser Tipprunden zu Herzen nehmen. Gruppe C kein Null Null tippen, so wie ich bei dem Spiel, wer weiss welcher Torwart als nächstes patzt.
Vom richtigen Einsatz der Vuvuzelas
Es gibt in Deutschland neben dem offiziellen DFB in Frankfurt noch einen zweiten DFB = Deutsche Fussball Berufspessimisten. Diese sahen Deutschland nach der Gruppenauslosung in einer Todesgruppe und prophezeiten nach der Ballacksveltzung dem deutschen Fussballkindergarten ein Ausscheiden in der Vorrunde.
Nach dem Deutschand jetzt souverän gegen Australien gewonnen hat, werden sie nicht verstummen sondern weiter nach dem Haar in der Suppe suchen. Der Gegner kein Massstab, die Torausbeute mangelhaft und wenn Australien die erste Chance genutzt hätte und jetzt kommen Serbien und Ghanas Weltauswahl ein ganz anderes Kaliber und überhaupt und sowieso. Leider behalten diese Leute ihr Lamento nicht für sich sondern werden Freitag beim Public Viewing aufkreuzen und bei jedem Ballbesitz von Serbien ausrufen – Jetzt, jetzt, jetzt fällt das Tor für Serbien – Guck wo der Mertesacker steht und der Friedrich, den hätte ich gar nicht mitgenommen und ausserdem fehlt…und jetzt liebe Fussballfans wisst ihr wofür ihr die Vuvuzelas braucht. Den DFB niedertröten und das Spiel geniessen.
Jetzt gehts los!
Am Freitag begannen für die Kinder in Südafrika die World Cup Holidays. Vier Wochen wird am Kap jetzt der Ausnahmezustand herrschen. Was in Deutschland vor vier Jahren im Sommermärchen mit toller Partystimmung begann setzt sich jetzt in Südafrika fort.
Die ersten Spiele liessen aber noch Raum nach oben. Gastgeber Südafrika und der selbsterannte Favorit Mexiko trennen sich 1:1. Südafrika von Kulisse und Vuvuzella sichtlich beeindruckt wirkte am Anfang sehr gehemmt, wurde aber mit zunehmender Spieldauer selbstbewusster und ging mit 1:0 Führung. Mexiko offensiv ausgerichtet hatten die besseren Chancen, scheiterten aber am eigenen Egoismus, ein besser postierter Spieler wurde nicht angespielt oder ein fast im Tor befindlicher Ball aus Abseitsposition noch reingedrückt. Sie kamen aber doch noch zum Ausgleich. Am Ende hätte Südafrika fast noch den Siegtreffer erzielt aber der Pfoste verhinderte das 2:1 für Südafrika.
Der Auftritt des Vizeweltmeisters gab allen recht die von Frankreich bei dieser WM nicht viel erwarten. Da Ribery abgemeldet war, schlugen sie einfallslos Bälle in den Strafraum. Uruguay über weite Strecken zu passiv und erkannte erst zu spät das mehr zu holen ist. Als sie sich mehr zutrauten kamen sie zu Möglichkeiten, sobald Forlan in Ballnähe war herrschte Alarm in der französichen Hintermannschaft. Nach dem Platzverweis zogen sich die Urus zurück und retteten den einen Punkt.
Südkorea zeigte dem Europameister von 2004 die Grenzen auf und gewann überzeugend 2:0. Damit eröffnet sich ihnen bereits nach dem ersten Spiel die Tür zum Achtelfinale. Argentinien mit überzeugendem Auftritt, aber mit mangelhafter Chanceverwertung.
Am Abend der nächste Akt des Dramas: England und die Torhüter. Es wird sich nach dem Bock von Green zwar nicht Gordon Banks im Grab umdrehen, da der Weltmeister 1966 und Welttorhüter im Gegensatz der Aussagen von Delling sehr lebendig ist, aber den englischen Fussballfans der Magen. Gefälliger Beginn, schönes Tor zu Beginn danach wollte man den Vorsprung verwalten und baute die USA auf. Nach dem Patzer von Green fiel den Engländern allerdings nicht mehr allzuviel ein. Die USA wurden mutiger aber der Siegtreffer fiel auf keiner Seite. Fazit: England und Frankreichen müssen sich gewaltig steigern.
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